„Alle in der Liebe zum Herrn mitreißen!“

Interview mit Stammapostel Jean-Luc Schneider

 

 

Im Pfingstgottesdienst haben viele Geschwister Ihre innere Bewegung beim Amtswechsel geteilt.
Können Sie beschreiben, was Sie gefühlt haben?

Das geht nicht, das kann man nicht beschreiben. Aber es war wieder ein Kampf. Es ist mir bei jedem Amt schwer gefallen, Ja zu sagen. Ich musste mich durchringen. Gerade als der Stammapostel aufzählte, was alles zum Stammapostelamt gehört. Ich habe bis zuletzt mit mir gerungen.

 

Wie war es, als Stammapostel Leber Ihnen seinen Entschluss mitgeteilt hat,
Sie erst zum Helfer zu beauftragen und dann als Nachfolger zu ordinieren?

Nun, es kam ja nicht ganz überraschend. Als der Stammapostel mich nach Hamburg bestellte, habe ich mir so meine Gedanken gemacht und auf einem Blatt viele Argumente aufgeschrieben, die dagegen sprachen. Stammapostel Leber hat sich das alles ganz geduldig angehört. Hier und da hat er mal bemerkt, er sehe das anders. Am Ende blieb nur noch die Frage: Folgst du dem Ruf des Herrn?

 

In der Apostelversammlung in Dresden haben Sie geäußert: „Ich will neuapostolisch sein ohne Arroganz und ohne Komplexe“. Stehen Sie heute noch zu diesem Satz und wie kriegt man das hin, so neuapostolisch zu sein?

Also zu dieser Aussage stehe ich nach wie vor. Wie man das hinbekommt? Aus meinem Verständnis ganz einfach: Das Evangelium in das tägliche Leben umsetzen und sich auch mit seiner eigenen Meinung darin bewegen. Einfach ein selbstbewusster Christ zu sein.

 

Im Pfingstgottesdienst haben Sie Sätze aus dem Vorwort des Katechismus’ als ihr Programm zitiert.
Welche Funktion soll dem Katechismus in der Kirche zukommen?

Er ist Fundament unseres Glaubens und gilt für alle Länder und Kulturen. Weltweit weiß man jetzt, was der neuapostolische Glaube ist. Wir haben uns bemüht, uns in unserem neuapostolischen Glauben zu vertiefen und dem
Willen des Herrn immer näher zu kommen. Und der Katechismus ist auch der Maßstab, woran man jetzt alle Predigten messen kann. Deshalb erwarten wir auch von den Brüdern Loyalität gegenüber diesem Werk.

 

Glauben Sie, dass die Lehränderungen, die ja auch im Katechismus enthalten sind, in den Gemeinden angekommen sind?

Nein, bestimmt noch nicht. Das muss jetzt allmählich in das Bewusstsein kommen. Aber auch da wollen wir keine Revolution, sondern eine Evolution. Wir nehmen uns die Zeit, weil wir alle mitnehmen wollen. Darüber hinaus
sehe ich momentan keine Notwendigkeit für weitere Lehränderungen. Es mag sein, dass uns der Heilige Geist mit der Zeit zeigt, dass man da und dort etwas korrigieren muss. Wir arbeiten jetzt am Amtsverständnis, aber dabei handelt es sich nur um eine Präzisierung.

 

Zum Abschluss des Pfingstgottesdienstes haben Sie ausdrücklich für die verfolgten Christen gebetet.
Wie sehen Sie das Verhältnis der Christen untereinander?

Aus meiner Sicht könnte es besser sein. Ein Beispiel aus der Arbeit in Afrika: Wenn dort Christen umgebracht werden, nur weil sie an das Evangelium Christi glauben, dann leiden unsere neuapostolischen Geschwister mit,denn sie sagen: Das sind unsere Brüder, die wurden bestraft, getötet, nur weil sie glaubten.

 

Was bedeutet dann der Begriff Ökumene für Sie?

Ökumene verstehe ich so: Wir sind uns bewusst, dass wir alle Christen sind. Wir müssen gemeinsam für das Evangelium kämpfen, die Stimme des Evangeliums muss auch in der heutigen Gesellschaft hörbar werden, und dafür und daran arbeiten wir gemeinsam. Wir respektieren aber den anderen genau so wie er ist. Die Neuapostolische Kirche insgesamt ist bereit, mit anderen christlichen Gemeinden zusammenzuarbeiten, wenn sie uns annehmen als neuapostolische Christen.

 

Gegen Ende der Apostelversammlung in Hamburg haben Sie zwei Bereiche erwähnt, die Ihnen am Herzen liegen: die Jugend und die Amtsträger.Wie kann man Jugendliche im Werk Gottes verwurzeln und gründen?

Also ein Wunderrezept gibt es nicht. Worauf ich aber sehr viel Wert lege und was die Jugend sucht, ist Authentizität, Glaubwürdigkeit. Wenn die Jugend merkt: In meiner Kirche sind die Brüder, Geschwister grundehrlich, die meinen es auch so, die leben danach, dann merken sie: da steckt was dahinter und dann folgen sie auch.

 

Und wie kann erreicht werden, dass sich Amtsträger in ihrem Amt wohlfühlen?

Das ist wirklich eine riesige Aufgabe. Dazu gehört vieles. Den ersten Schritt haben wir mit dem Katechismus gemacht. Als Zweites folgt nun das Amtsverständnis, das wir präzisieren wollen. Das wird auch den Brüdern helfen und ihnen mehr Sicherheit geben. Drittens denke ich an die „Leitgedanken“, die sich schön entwickelt haben. Es ist, und das muss den Brüdern bewusst sein, keine vorgeschriebene Predigt, es sind leitende Gedanken. Was am Ende aber rüberkommen muss, das ist die Kernaussage, die Botschaft. Schließlich müssen wir etwas gegen Resignation tun, denn auch die Brüder leiden, wenn Gemeinden schrumpfen und fusionieren. Wir müssen ihnen bewusst machen: Es kommt auf dich an. Damit Gottes Werk vollendet wird, braucht es einen jeden. Vollendung ist nicht das Erreichen einer bestimmten Zahl.

 

Welche Herausforderungen sehen Sie für die Kirche momentan?

Erstens: Dass wir freudige Kämpfer sind für den Herrn Jesus.
Zweitens: Dass wir gegen die miese Stimmung ankämpfen.
Das passt nicht zu einem Christen. Das zu ändern, geht nur durch innere Überzeugung. Das ist natürlich extrem schwierig, aber dafür sind wir Apostel da, das ist unsere Aufgabe.

 

Wie kann man die Hoffnung auf die baldige Wiederkunft Christi in den Gemeinden wachhalten?

Wenn wir den Herrn Jesus immer in den Mittelpunkt stellen und die Liebe zum Herrn immer wieder fördern, damit sie größer wird, dann ist das Sehnen nach der baldigen Gemeinschaft mit Gott so stark, dass das ein Ergebnis
ist. Das ist meine Einstellung, so verstehe ich mein Amt: Alle mitzureißen in der Liebe zum Herrn. pit/ran

 

 

Dieses Interview ist die Kurzfassung eines Gesprächs mit Stammapostel Schneider, das wir mit freundlicher Genehmigung des Bischoff Verlages veröffentlichen dürfen. Die ausführliche Fassung wird in einem Themenheft „UF spezial“ zum Thema Stammapostel-Wechsel veröffentlicht, das im Bischoff Verlag erschienen ist.
http://shop.bischoff-verlag.de/Shop/Zeitschriften/Zeitschriften/Unsere-Familie/UF-spezial-Ausgabe-2.html?listtype=search&searchparam=spezial