Letzter Besuch des Bezirksapostels in seinem Heimatbezirk

Zwei Gottesdienste – ein Textwort

Zur Einstimmung zum Gottesdienst mit dem Stammapostel am 25. Februar 2018 in Dieburg

Unser Bezirksapostel Bernd Koberstein hat am Sonntag, 11. Februar 2018 in Gießen und am Mittwoch, 14. Februar 2018 in Dieburg die Gottesdienste geleitet und dabei die Gelegenheit wahrgenommen, die Gemeinden auf den Besuch des Stammapostels in der Gebietskirche am 25. Februar 2018 einzustimmen. Beiden Gottesdiensten legte er das selbe Textwort zugrunde:

Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus. (Epheser 4,15)

Im Folgenden sind die Aussagen beider Predigten zusammengefasst.

Eingangsgedanken

Das Chorlied der Sänger in Dieburg „Ihr seid das Salz der Erde … Ihr seid das Licht der Welt …“ (CB 392, Matthäus 5,13.14) setzte der Bezirksapostel in Bezug zu dem Besuch unseres Stammapostels, wenn er nach Dieburg kommt. Ihm gelte vor allen Dingen, was Chor gesungen hat. Dieses Wort wird oftmals auf die Apostel bezogen (es stammt aus der Bergpredigt und hier spricht Jesus die Zuhörer an). Es gilt aber im übertragenen Sinn auch den Aposteln. Bei dem Gottesdienst in Dieburg bezog der Bezirksapostel die beiden Aussagen auf das Apostolat, in dem der Stammapostel eine ganz besondere Stellung einnimmt.

Ein wichtiges Thema dabei ist, in welchem Verhältnis der Apostel zu Jesus, dem Sohn Gottes steht. „Ich halte es für außerordentlich wichtig, gerade für uns, die Apostel des Gottessohnes, dieses Verhältnis richtig zu sehen, das einzuordnen“, so der Bezirksapostel. „Dann weiß man auch sich selbst in seiner Bedeutung immer einzuordnen.“ Jesus Christus ist der Sohn Gottes, der Herr aller Herren, König aller Könige und es gibt auf dieser Stufe nichts neben ihm. Ein Apostel habe auf der Stufe des Gottessohnes nichts zu suchen. Das müsse sehr deutlich und sehr klar sein. Die Apostel sind nichts als Diener.

Natürlich haben die Apostel einem besonderen Auftrag. Sie sollen zu Christus führen, Christus immer in die Mitte stellen, Christus verherrlichen. Sie sollen aber auch Christus in die Herzen der Menschen einbauen und ihm die Braut bereiten.

Diese sicherlich besonderen Aufgaben änderten aber nichts an dem großen Unterschied zwischen Christus und einem Apostel, so der Bezirksapostel. „Es ist gut, wenn das jedem Apostel sehr bewusst und sehr klar ist. Dann versteht man sich immer und ausschließlich als Diener und nicht als etwas Besonderes.“

Ursache für das Textwort

Als klar war, dass unser Stammapostel am 25. Februar nach Dieburg, also in den Bezirk Darmstadt kommen wird, haben sich die Verantwortlichen dort zusammengesetzt und geschaut, was können wir vorbereiten, in der Musik und zu vielen anderen Themen. Den Bezirksapostel hat es sehr gefreut und auch berührt, dass ein wichtiger Gedanke für sie war: Wir müssen auch alles daransetzen, dass der neue Bezirksapostel, unser Bezirksapostel Storck, wenn er zu uns nach Dieburg kommt, sofort merkt, dass er nach Hause kommt. Das hat der Bezirksapostel nicht nur als sehr schön empfunden, sondern auch gespürt, dass die Verantwortlichen bemerkt haben, wie er selbst damit umgeht. „Genauso wünsche ich mir das.“, so der Bezirksapostel.

Zudem wurde dort auch ein Motto, ein Arbeitstitel für die Arbeit der Vorbereitungen gesucht und man fand eine für ihn sehr interessante Devise. Sie besteht aus den Worten: Zusammenwachsen und zusammen wachsen. Das sind zwei Aufgaben, die sehr eng miteinander verbunden sind.

Vor diesem Hintergrund wurde das oben genannte Textwort als Grundlage für den Gottesdienst in unserem Bezirksapostel erweckt.

Fusion der beiden Gebietskirchen

Dabei geht ein Blick auch auf die Fusion der beiden Gebietskirchen. Rechtlich ist sie bereits zum 1. Januar 2018 vollzogen. Jetzt geht es dort um das Zusammenwachsen. Es gibt in den Gebietskirchen die unterschiedlichsten Ansätze zur Organisation der Verwaltungen und der Arbeitsgruppen. Man stellt fest: Die einen machen es so, die anderen machen es so. Nun wird darüber beraten, wie es künftig gemacht werden soll. In diesem Sinne ist zusammenwachsen eben das Zusammenführen verschiedener Menschen, verschiedener Gruppen, dass sie dann gemeinsam weiterarbeiten.

Unser Ziel: Zusammenwachsen mit Christus

Aber für uns als Gotteskinder hat „zusammenwachsen“ und „zusammen wachsen“ einen noch viel höheren Wert und Sinn. Es beschreibt unser ganzes Glaubensleben. Wir wollen zusammenwachsen mit Christus!

„Die Bereitung der Braut ist nichts anderes als ein Zusammenwachsen mit Christus“, so der Bezirksapostel. Wenn etwas zusammenwächst, dann ist das nicht angeklebt. Man kann manches zusammenfügen, aber zusammenwachsen ist auch im geistlichen Sinn „organisch“ zu verstehen. Mit Christus zusammenwachsen heißt, am Ende der Entwicklung von ihm, von seinem Wesen, von seinem Leben durchdrungen sein. Da ist ein Kreislauf, da ist ein Herz, da ist eine Blutbahn, da ist nur noch Christus. Das ist unser Ziel.

Im Bibelwort geht es darum, dass wir wahrhaftig sein wollen in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist: Christus. Dabei ist die Reihenfolge interessant: Wir wollen zusammen wachsen, damit wir Zusammenwachsen können – und das mit Christus.

Dabei gilt es, zwei Aspekte zu beachten: Das Wachsen mit Christus und das zusammen Wachsen in der Gemeinde.

Mit Christus wachsen

Das Wachsen geht nur zusammen mit Christus. Wir haben keine andere Möglichkeit und keinen anderen Weg. Es gibt keine andere Heilsquelle als allein in Jesus Christus. Nur mit ihm ist es möglich, mit ihm zusammenwachsen zu können.

Apostel Paulus hat dieses schöne Wort geprägt hat, das diese Universalität des Gottessohnes beschreibt: Von ihm, durch ihn und zu ihm sind alle Dinge (Römer 11,16). Da steht immer wieder Jesus Christus in der Mitte. Das betrifft auch das Wachsen. Das Wachsen zu Christus hin geht nur mit all dem, was von ihm kommt und es geht nur durch ihn. Christus macht das sehr deutlich: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich (Johannes 14,6). Nur durch ihn können wir zu ihm wachsen, mit ihm verwachsen und zum Vater kommen. „Er ist nun mal der Weg, er ist das Leben, er ist die Wahrheit. Christus sagt nicht nur die Wahrheit, er ist die Wahrheit. Das ist viel tiefer und viel mehr.“, so der Bezirksapostel. „Weil das so ist und alles von ihm kommt und durch ihn geht, führt auch alles zu ihm.“

Das „zu ihm geführt sein“ zeigt sich wieder in dem Bild des „Zusammengewachsenseins“ mit Jesus Christus. Was dazu nötig ist, das schenkt Christus uns.

Es ist göttliches Leben in uns hineingelegt worden in der Gabe Heiligen Geistes. Das ist ein Geschenk, das kann sich keiner verdienen.

Christus gibt auch alles, was zur Ernährung dieses göttlichen Lebens nötig ist. Wenn Leben wachsen will, muss es ernährt werden. Die Nahrung schenkt der Herr in seinem Wort. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist (Johannes 6,51), so hat Christus das einmal gesagt.

Das kann man tatsächlich schmecken. Der Psalmist sagt das einmal so schön: kommt doch und schmeckt, wie freundlich der Herr ist. (Psalm 34,9) Man kann es auch einmal wörtlich nehmen. Man darf mit der Seele essen und zwar das Brot, das Christus ist. Wir leben davon, wir leben von ihm. Wir können im heiligen Abendmahl schmecken, wie freundlich Gott und Christus ist, weil wir Leib und Blut Jesu genießen; ein Nahrungsmittel, das uns wachsen lässt hin zu Christus.

Eltern haben die unterschiedlichsten Erfahrungen beim Füttern der Kinder. Da gibt es Kinder, die machen den Mund schon auf, da ist das Essen noch gar nicht fertig. Andere musst du überreden: Komm, noch ein Häppchen für den Opa und für die Oma auch eins und es ist ganz mühsames Geschäft. Das Heilige Abendmahl soll für den Herrn kein mühsames Geschäft sein. Wir mögen unsere Herzen dabei ganz weit geöffnet haben und Verlangen haben nach diesem Nahrungsmittel. Es ist das Beste was es gibt, weil es aus Christus ist. Wir wollen es bewusst dahin führen, wo es zu Wachstum in Christus führt. Dazu schenkt uns der Herr dieses Sakrament.

Er sorgt auch dafür, dass diese göttlichen Gaben, diese Wesensgaben Christi auf einen Boden fallen, der bereitet ist. Vor jedem Sakrament ist Sündenvergebung, auch vor jedem Heiligen Abendmahl. Wenn wir es Gott gestatten, bereitet er mit der Sündenvergebung immer den Boden. Durch die Vergebung ist dieser Boden ein geheiligter Boden. Auch das ist ein unglaubliches Geschenk der Liebe und Gnade Gottes. Dazu sagt der Bezirksapostel: „Wenn wir Abendmahl miteinander feiern und wir das so bewusst auf uns wirken lassen, dann lasst uns dieses Bild vor uns haben, wie die großartigen Kräfte aus Christus in Leib und Blut von ihm ausgehend in uns hinein in diesen von ihm geheiligten Boden fallen und das Wachstum fördern. Das mag uns so ganz bewusst im Glauben sein, wenn wir das miteinander erleben und feiern dürfen.“

Gutes Material wächst langsam. Wir kennen diesen Gedanken in Bezug auf die Zedern aus dem Libanon. Das ist ein besonderes Holz. Zedern wachsen außerordentlich langsam. Das zu beobachten ist wirklich ein Geduldsspiel. Man könnte manchmal denken: da passiert ja überhaupt nichts. „Wie oft muss das der liebe Gott das auch bei mir denken?“, so der Bezirksapostel. „Vielleicht ist manches viel zu langsam, aber Christus hat nie die Geduld verloren.“

Zusammen wachsen in der Gemeinde

Der zweite Aspekt ist auch wichtig: Wir dürfen in der Gemeinde zusammen wachsen. Bei allem was dabei eine Rolle spielt, ist es wichtig, dass Jesus Christus im Zentrum der Gemeinde steht.

Man kann nur zusammen Zusammenwachsen. Das ist keine Angelegenheit von Einzelkämpfern, sondern ist Sache der Gemeinschaft. Das Hinwachsen zu Christus spielt sich in seiner Kirche ab. Sie ist immer auf Gemeinschaft auslegt, auch die Kirche Christi. „Es muss jeder für sich glauben, es muss jeder seinen Weg gehen. Aber alles andere ist Gemeinschaft“, so der Bezirksapostel.

Als Beispiel nennt der Bezirksapostel das Sakrament des Heiligen Abendmahles. Es ist ein Gemeinschaftsmahl mit Jesus Christus. Er ist auch da wieder das Zentrum. Zu Brot und Wein tritt Christus hinzu in seinem Leib und in seinem Blut – Christus in der Mitte, Gemeinschaftsmahl mit ihm. Heiliges Abendmahl ist aber auch immer ein Gemeinschaftsmahl in der Gemeinde.

Zusammen wachsen muss man aber auch wollen. Es ist eine wunderschöne Aufgabe und erklärt den tiefen Sinn von Gemeinde. Tiefer Sinn des gemeinsamen Wachsens ist, in der Gemeinde zu Christus wachsen, dort einander helfen, einander dienen und für einander da sein. Wenn wir das zusammen Wachsen in der Gemeinde leben, gibt das Erfüllung. Da ist jeder wichtig.

In der Gemeinde gibt es Vielfalt. Darauf nahm das Lied der Sänger in Gießen Bezug (Du hast uns als Gemeinde in deinen Dienst gestellt (CB 352)). Man könnte auch meinen, es wäre doch viel besser, dass alle uniformiert und alle wie einer sind. Dazu sagt der Bezirksapostel: „Ich finde Vielfalt ist ein großer Segen. Man muss diese Vielfalt nur entsprechend nutzen. Der liebe Gott wird in diesem Wachstumsprozess ganz sicherlich nicht die Vielfalt beseitigen und alles uniformieren. Wenn ich in den Kreis meiner Apostel schaue: Sie sind alle verschieden. Und es ist eine großartige Vielfalt, die zusammenfließt, weil wir gemeinsam dienen; in Herzensdemut einer für den anderen da ist. Wenn das im Brüderkreis einer Gemeinde so ist, wenn das in einer Gemeinde so ist und die Vielfalt zusammenfließt zum Segen, ist das großartig. Dann hilft man sich gegenseitig beim Zusammenwachsen. Deswegen zuerst: zusammen wachsen. Das wollen wir.“

Zusammen wachsen ist nicht nur eine Fragestellung für die Amtsträger. Da gehören die Kinder dazu und unsere betagten Geschwister. Wenn ein jeder in seiner Art, die Gott gar nicht ändern will, in Christus aufgeht, ist jede Art – auch wenn es mitunter ein ganz kleiner Beitrag ist – ein Segen im zusammen Wachsen, ein Segen für die Gemeinde. Alleine das füreinander Beten ist ein zusammen Wachsen.

Betrachten wir unsere Kinder. Was können so kleine Kinder? Das ist oft nicht viel. Und sie können doch dein Herz berühren. Die können sogar einmal dafür sorgen, dass dir die Tränen fließen, wenn so ein Kindlein dein Herz berührt. Es berührt, wenn du in die glänzenden Augen von alten, betagten, treuen Schwestern und Brüdern schaust, die sich mitunter in die Gottesdienste schleppen und sich quälen, und sie dankbar sind, weil sie den Gottesdienst erleben durften.

Dass wir das gemeinsam tun dürfen, ist ein Geschenk Gottes an jeden persönlich. Wir wollen dieses Geschenk gerne und dankbar annehmen. Das ist etwas Beglückendes, dazu hat uns Gott begnadet. Betrachten wir unsere Gemeinde als den Raum, in dem ich mit Bruder und Schwester gemeinsam wachsen darf. Zusammen wachsen in Christus. „Deswegen ist für mich auch diese Devise bei der Vorbereitung des Gottesdienstes mit dem Stammapostel so wichtig. Lasst uns zusammen wachsen.“, so der Bezirksapostel.

Wachsen in der Gnade und Erkenntnis

Apostel Petrus gibt einen schönen Hinweis und einen schönen Rat: Lasst uns aber wachsen in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn und Heilands Jesus Christus (2. Petrus 3,18). Wenn er diese beiden Elemente herausgreift, dann beschreibt das einen wunderschönen Kreislauf. „Wenn ich in der Erkenntnis wachse, ist das für mich nicht primär die Bereicherung meines Wissens, dass ich vielleicht mehr und mehr göttliche Zusammenhänge im Plan der Erlösung Gottes erkenne. Das ist wichtig, das ist gut, aber das ist für mich nicht die Nummer 1! Gewachsen sein in der Erkenntnis ist für mich die Gewissheit: Nichts hab‘ ich zu bringen, alles Herr bist Du!“, so der Bezirksapostel. „Das Erkennen der völligen Abhängigkeit von göttlicher Gnade ist die höchste Erkenntnis.“ Dort wo diese Erkenntnis vorhanden ist, ist ihr Inhalt die Erkenntnis der Gnadebedürftigkeit.

In der Gnade wachsen und in der Erkenntnis wachsen bedingen einander. Das setzt etwas in Gang, hat Konsequenzen: den Ruf nach Gnade. Dazu der Bezirksapostel: „Wenn ich mit dieser hohen Erkenntnis meiner Gnadebedürftigkeit ringe um Gnade und ich erkenne: ich brauche die Gnade, dann bete ich darum, dann klopfe ich an und je mehr ich bei Gott um Gnade ringe, umso mehr wird er schenken.“

Die Erkenntnis setzt ein permanentes Ringen um göttliche Gnade in Gang und er schenkt sie ununterbrochen. Wenn wir um die Gnade ringen, schenkt Gott sie in der Fülle. Je mehr Gnade uns Gott schenkt, vermittelt er mit der Gnade unter anderem auch sein Wesen.

Der Sohn Gottes hatte die höchste Erkenntnis, die es gibt, die je ein Wesen auf dieser Erde hatte – als Teil der Gottheit. Christus sah alle Dinge so, wie Gott sie sieht. Mit zunehmendem Wesen Christi in uns wächst auch die Erkenntnis. In das Wesen Christi wachsen wir und wir brauchen, bis wir bei ihm sind, bis wir mit ihm völlig zusammengewachsen sind, immer wieder seine Gnade.

„Wir wachsen nicht nur in der Gnade und Erkenntnis, sondern eben auch in Jesus Christus.“, sagt dazu der Bezirksapostel. „Das ist dieser schöne Prozess des zusammen Wachsens, weil wir mit Christus zusammenwachsen wollen. Deswegen lasst uns das mit Eifer, mit aller Herzenshingabe tun.“

Wahrhaftig sein

Im Textwort sagt der Apostel, dass wir wahrhaftig in der Liebe sein sollen, denn das ist nun einmal das Wesensmerkmal des Gottessohnes. Nicht nur Gott ist Liebe, sein Sohn ist es auch. Als Christus auf diese Erde kam, war es wahrhafte Liebe. Da hat er nicht irgendetwas erfunden oder vorgespielt. Als er auf die Erde kam, wusste er genau, was auf ihn zukommt. Ohne diese hundertprozentige, vollkommene Liebe hätte Jesus das überhaupt nie tun können.

Das vermittelt er. Alles was uns zum Wachstum verhilft, kommt von ihm, es kommt durch ihn, also aus ihm. Wir leben von ihm. Er ist Wort Gottes. Er ist uns nahe in den Sakramenten, im Heiligen Abendmahl. Es führt zu ihm.

Es gibt Begriffe in unserer Predigtsprache, die für unsere Kinder nur schwer verständlich sind, weil die die Kinder sie sonst nicht hören. Ein Beispiel: Wir kennen alle das Gebot: Du sollst nicht stehlen. Das zu halten und zu beherzigen ist eine Frage der Wahrhaftigkeit. Man kann nicht denken, wenn ich etwas stehle ist das nur dann schlimm, wenn es jemand sieht. Kinder könnten denken: Wenn es die Mama oder der Papa sieht, fällt das auf. Dann gibt es Ärger. Das ist nicht gut. Aber wenn es keiner sieht? Na dann. Ist ja gar nicht schlimm! Wahrhaftigkeit ist, nicht zu stehlen, auch wenn man ganz sicher ist, kein Mensch sieht das jetzt. Deshalb bemühen wir uns, dem Gebot gemäß zu leben.

Oder betrachten wir ein anderes Gebot, das in der Kurzform lautet: Du sollst nicht lügen. Lügen, in der Gemeinde geht das nicht. Aber am Arbeitsplatz kann ja mal die Karriere daran hängen. Was ist denn so eine kleine Lüge, wenn man damit eine kleine Gehaltsstufe höher kommst? Das kannst du doch machen! Ein solches Verhalten ist nicht wahrhaftig.

Das sind Gedanken, die der Stammapostel sehr oft bewegt.

Christus ist wahrhaftig. Er war immer was er war, durch und durch. Das ist gewachsen. Christus ist im Vater. Er ist in Gott. Er hat Leben aus sich selbst. Das ist gewachsene Gottheit. So wollen wir auch sein. Die Braut Christi wird nichts künstlich Erzeugtes sein, sondern nur etwas Gewachsenes; in Christus, im Bräutigam gewachsen, aus ihm gelebt, aus ihm geschöpft und in ihm gewachsen. Dazu schenkt der Herr all das, was wir brauchen: Wort Gottes als Seelenspeise, aber vor allem auch das Heilige Abendmahl.

Das Ergebnis des Wachstums

Wir können uns die Hand geben. Dann sind wir verbunden. Man kann sich innig lieben, aber man ist immer ein Teil für sich, ein selbstständiger Teil. Aber das Zusammenwachsen mit Christus, das führt wirklich in ihn, irgendwann hört einmal die Selbstständigkeit auf und wir lösen uns dabei schlussendlich auf, wir gehen in ihm auf. Je mehr er uns durchdringen kann mit seinem Leben, umso mehr ist dieser Prozess des Zusammenwachsens in Gang.

Apostel Paulus beschreibt das Ergebnis des Zusammenwachsens in großartiger Weise. Am Ende wird selbst der Sohn alles dem Vater übergeben und es wird der Sohn wieder völlig im Vater aufgehen. Das Ergebnis ist: Gott wird sein alles in allem! (1. Korinther 15,28) Dann ist nicht mehr da der Mensch und da Gott. Dann sind wir nur noch in Gott und Gott in allem. Jede Seele ist zu hundert Prozent durchdrungen von Gott. Das ist Zusammenwachsen, weil wir zusammen wachsen dürfen. Das ist nichts für den Verstand. Das kann man nur glauben.

Das alles trägt in sich eine riesige Vielfalt der Gottheit. Das kann man nie ausschöpfen. Was in Christus auch an Wesensmerkmalen zu finden ist, in all diesen Stücken wollen wir zu ihm hin wachsen.

Ein Aspekt dabei ist: Gott ist Liebe. (1. Johannes 4,16) Wir erleben hier Phasen in denen das uns sehr nah ist. Wenn wir eine Phase des schönen vollen Sonnenscheins haben und alles glattgeht, dann verstehen wir die Liebe Gottes sehr leicht. Aber meistens ist es anders. Mitunter erleben wir Verhältnisse, wo nur noch der Glaube zählt, weil sie nicht mehr richtig zu verstehen sind; wenn so Welle nach Welle über einen hinweggeht und man kaum noch atmen kann. Aber dann kommt das: Nur Gottes Liebe in allem. Dieses Wesen, diese Wärme, dieses Licht der Art Gottes. Es ist unvorstellbar schön. Und das ist nur ein Aspekt unserer Zukunft, nur ein Aspekt vom Ergebnis des Zusammenwachsens, wenn Gott alles in allem ist.

Damit das so geschehen kann, ist es heute mehr und mehr erforderlich, Christus in uns hineinlassen. Deswegen sind die Gottesdienste so wichtig, ist das gläubige Erfassen des göttlichen Wortes so wichtig – das stärkt auch unseren Glauben – und deswegen ist der Genuss von Leib und Blut Jesu so unsagbar wichtig, weil damit diese Elemente göttlichen Wesens in uns hineingetragen werden. Wo der Glaube das erfasst, da wirkt beim Aufeinanderprallen der göttlichen Dinge mit unserem Glauben die Kraft des Heiligen Geistes und führt in das Zusammenwachsen mit Christus.

Deswegen die Aufforderung: Wir wollen wachsen in allen Stücken, in all den Nuancen des Wesens Christi.

Abschließende Gedanken des Bezirksapostels

„Das hat mich bewegt, als ich mich so mit dem schönen Arbeitstitel Zusammenwachen – zusammen wachsen beschäftigt habe. In diesem Sinne lasst uns auf den Gottesdienst unseres Stammapostels zugehen. Wir wollen den Gottesdienst nutzen, um zusammen zu wachsen!

Lasst uns unsere Aufgaben sehen in unserer Gemeinde bei all der schönen Vielfalt. Lassen wir sie zusammenfließen zum Segen, zum Wohl eines jeden Gemeindemitgliedes – ob ganz klein oder ganz alt spielt gar keine Rolle. Lasst uns in den Gemeinden zusammenrücken, um zusammen wachsen zu können. Wir haben unseren Platz in der Gemeinde und wir wollen an unserem Platz mit Christus, aber auch mit Bruder und Schwester, zusammen wachsen, bis wir endlich mit ihm zusammengewachsen sind.

Das bleibt unser Ziel: Mit Christus, der für uns gestorben ist und alles gab, was jemand geben kann, auf ewig verbunden zu sein, durchdrungen von göttlichem Wesen und Leben. Dafür lohnt sich alles!

Bilder: Marcel Felde
Text:  WK